#ICH/kurzweilig

Schreibzimmer

gerade habe ich die Tür geschlossen. die Tür zu meinem Zimmer, in das ich mich eben mit meiner Muse zurückgezogen habe, um zu schreiben…

ich schreibe für eine BlogParade. interessantes Thema. da muss ich mich doch mal erinnern, treiben lassen, wann, wie, wo und vielleicht auch warum… schreibe ich?

gelbe Liniehm

ABC

eigentlich schreibe ich bereits mein Leben lang. ich begann mit dem schreiben, als mein Bruder in die Schule kam und ich, die zwei Jahre Jüngere das sooooo toll fand, viel toller als es der Bruder fand… ja, ich wollte diese Buchstaben alle können und war auch nicht mehr von meiner Mutter zu bremsen, die „dem Kind noch etwas Zeit lassen“ wollte. Später stellte sich heraus, dass auch sie bereits im Kindergartenalter zu schreiben begann…

als ich nun dieses Schreiben, dieses Buchstabenaneinanderreihen zum Zwecke der Gedankenübertragung konnte, legte ich los…und schrieb.

die alte Schreibmaschine

es gab da eine alte kleine Kofferschreibmaschine, auf der mein Vater zu seinen Studienzeiten Abhandlungen zu Adornos Vorlesungen tippte. genau dieses Teil war ab sofort mein Schreibbüro. sie stand auf dem Aufklapptisch im Kinderzimmer, der nun nicht wieder zusammengeklappt wurde, bis mein 1.Buch vollendet war.

nun ja, das Erstwerk hatte nur ca. zehn Seiten…die Schreibmaschine wurde wieder im Schrank verstaut und ich begab mich mit meiner Protagonistin Kaja lieber in den Hof und spielte ihre Geschichten zusammen mit den Nachbarkindern. eigentlich ist eine Filmemacherin an mir verloren gegangen…*grins

5 bis

wie ging es weiter? ich schrieb weiterhin kleine und kleinste Geschichten, oft illustriert oder gleich in Comic-Form, in der Schulzeit schrieb ich Aufsätze, die in der Klasse gerne gelesen wurden, schrieb in Schülerzeitungen und in blogähnlichen tagebucheinträgen, schrieb schrieb und schrieb…ich schrieb an meinem Schülerschreibtisch, im Bett, im Zug, im Garten auf der Hängematte, im Schwimmbad,ich schrieb überall. leider ist von meinen Frühwerken nichts überliefert, denn es mangelte an digitalem Speicher-Brauchtum.

während meiner Ausbildung und der Tätigkeit als Buchhändlerin las ich mehr als ich schrieb. dies blieb auch dann so, als ich meine berufliche Laufbahn änderte, ich las las und las. das Schreiben während meiner kurzen Zeit im Landgericht zähle ich mal nicht als Schreiben, war es doch mehr ein tippen von irgendwelchen Vorladungen oder Urteilen

. als ich dann zur it-Branche umschulte, schrieb ich…Programme und Programmiervorgaben, schrieb Handbücher und Anleitungen und überwiegend nullen und einsen und wurde von Maschinen gelesen und tippte nur noch selten auf meiner kleinen Reiseschreibmaschine, die außerdem wegen eines PC ihre Stellung verlor…

Mutter

dann wurde ich Mutter und erzählte mehr als ich schrieb. außerdem las ich wieder viel, ich las viel vor, das sah ich als Förderung meiner Tochter, die genausoviel Freude an der Sprache und den Wortspielereien bekommen sollte… diese Freude, wie ich sie hatte.

Auch am Abend las ich: Fachbücher der Psychologie, denn ein neuer Beruf sollte / wollte erlernt sein.

langer Rede kurzer Sinn

als meine Tochter lieber selbst las und wir uns nur noch in besonderen Stunden vorlasen – gegenseitig – , begann ich wieder mit dem Dichten und Philosophieren. Es entstanden Aphorismen und Gedichte, kleine Geschichten und Allerlei. in dieser Zeit war mein Schreibzimmer das zum Kinderzimmer umfunktionierte Wohnzimmer und da ich eh nur schrieb, wenn meine Tochter schlief oder unterwegs war, eignete sich dieses Zimmer gut für meine Poesieereien.

blindschreiben

meine Tochter machte Abi und

gelbe Linie

…für mich begann eine Zeit des Nichtschreibens: ich erblindete „von heute auf morgen“. wie sollte ich nun schreiben? nun, schreiben konnte ich schon noch, aber lesen, lesen konnte ich es nicht mehr. wie schreibt man, wenn man seinen vorhergegangenen Satz nicht mehr nachlesen kann?

da war es sowas von egal, wo man würde schreiben wollen, wenn man es sowieso nicht mehr konnte…

so stand mein PC, der Nachfolger meiner kleinen Reiseschreibmaschine, einige Zeit verwaist in der Ecke des Kinder-Jetzt-Wieder-Wohnzimmers. und ich saß da und…

nichts geht mehr

irgendwann hörte ich von einem Programm, das es Blinden möglich machte, einen PC zu bedienen. ich besorgte mir eine Demoversion, wollte es ausprobieren, erst einmal, eine Vollversion dieses Screenreaders kostete immerhin mehrere tausend Euro…

ich setzte mich an die tastatur und merkte, dass ich mit meinem 1-Finger-Adler-Such-System nicht würde klar kommen.

sogar zu den Gerichtszeiten hatte ich mich damit durchgewerkelt, aber nun, nein, ich würde das Zehn-Finger-Tippen lernen müssen. a f d s j k l…
*oh

und

ich schrieb meine ersten Zeilen

und eroberte mir die Welt der Buchstaben zurück

ich lernte twitter kennen und lernte und übte und hatte nebenbei so auch wieder Kontakt zu der „Welt da draußen“

Maschinen-Geplapper versus Reiseschreibmaschinengeklapper

mittlerweile schreibe ich mit zehn Fingern und bekomme meine Eingabe und das, was auf dem Bildschirm geschrieben steht vorgelesen…von einer blechernen Stimme… das nervt, mich manchmal, meine Mitbewohner meistens. so kam es dann auch, dass mein Schreibplatz in mein eigenes Zimmer wanderte. dort sitze ich nun, wenn ich arbeite, mit meinem PC, der mir tapfer und etwas blechern vorliest, ich sitze vor meinem Schreibtisch, neben mir sitz meine Muse und in aller innerlichen Ruhe… entstehen Gedichte, Geschichten…

#blindleben entstand und ich wollte diese Aufzeichnungen zur Verfügung stellen. Kennenlernen = Verstehenlernen = Inklusion =Teilhabe

so entstand mein Blog Traumspruch

denn das #blindleben ist ja nur ein kleiner Teil von mir *lächel

so und nun…Kaffeepause und Tür auf…

gehabt euch wohl   

gelbe Linie

dieser Beitrag wurde ebenfalls auf Traumspruch veröffentlicht.

text Endeschwarze Liniegelbe Linie