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„“ein Beitrag zur BlogParade #blindeBegegnung

dies ist mein Beitrag zur Blogparade #blindeBegegnung

die hier auf diesem Blog initiiert wurde.

da ich (noch) keinen eigenen Blog betreibe, durfte ich hier meinen Beitrag direkt einstellen. Herzlichen Dank dafür an das BBS–Team.

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Von Einem, der nicht an seine Fähigkeiten glauben konnte…

Es war einmal in einer Zeit, in der die Menschen lernten, Bilder zu beschreiben. Das war ein Teil der Inklusion, eine Möglichkeit der Teilhabe.

Ihr wundert euch jetzt, überlegt. Warum sollte man ein Bild beschreiben?  man sieht doch was da auf der Leinwand ist, was der Fotodrucker ausgedruckt hat.

 

Ach, ihr meint, dass es Menschen mit beeinträchtigtem Sehen gibt?! Ja, ihr habt recht, das stimmt.

 

Nun will ich euch von einer Begebenheit berichten, in der es um Inklusion geht, um Inklusion eines Menschen, der sehen konnte, jedoch nicht glauben konnte. Er glaubte schlichtweg nicht an sich.

 

junge Jahre:

Als dieser Mensch in jungen Jahren mit Wonne eine Geschichte nnach der anderen schrieb – er hatte den Wunsch all seine Emotionen, sein Erleben, sein Erkennen in Worte zu fassen – da geschah es: an einem Nachmittag im Spätherbst.

Sein bester Freund und seine Freundin, die er über Alles liebte, waren bei ihm. Sie hingen bei ihm ab. Sie hatten Spaß, sie liessen es sich gut gehen, sie alberten herum, sie lachten, sie tranken Bier aus Dosen und sie waren unbekümmert, wie sie es immer waren, wenn sie, diese eingeschworene Gemeinschaft, sich zu dritt trafen.

 

Da geschah es, da geschah etwas, das sein Leben absolut verändern, vielleicht sogar zerstören würde. Er, S. hatte eine tolle Story verfasst, die er den Beiden vorlas. Aber sein Freund, sein allerbester sagte zu ihm: „Deine Stories sind…SCHROTT, einfach nur total grottig!“

Und seine Freundin lachte, lachte ihn aus. Sie konnte sich garnicht einkriegen vor lauter Lachen. Beide lachten über ihn.

 

 

Das war das Ende einer Freundschaft. Der Freund war nicht mehr „sein Freund“.

Seine Freundin verliess ihn am gleichen Abend. 

S.war ERSCHÜTTERT! Seine Welt brach zusammen. ER fühlte sich verraten, alleine, verunsichert, verletzt, …nein er fühlte sich total tot.

 

Ab diesem Tag brachte er kein Wort mehr heraus. Nun, er konnte noch sprechen, er konnte noch etwas sagen… aber er konnte sich nicht mehr ausdrücken. Er konnte nicht mehr schreiben, keine Geschichten mehr, er konnte nicht mehr formulieren was seine Seele sagen wollte. Er verstummte innerlich.

 

 

Er litt!

Er verlor sich.

Er wurde ausdruckslos.

Er wurde nicht mehr gehört.

Er konnte sich nicht mehr verständigen.

es dauerte

 

es dauerte.

Es dauerte Tage, Monate, Jahre.

 

In diesen Jahren war er sprachlos, und glaubte nicht mehr an sich.

irgendwann

  gewann er an einer Losbude einen Mal-Kasten.

 

Und er begann zu malen. 

Er malte seine Seelenworte, die Worte, die gefangen waren, all die Jahre. Er malte. Er malte in schillernden Farben, malte die buntesten Bilder, schrill, wie die Töne, die in seinem Körper krampften, die in ihm gefangen waren.

Es durfte Alles raus, es musste Alles raus.

Und es tat unendlich gut!

 

ABER:

ab da glaubte er, dass er sich nur durch das Malen würde ausdrücken können.

Er glaubte, nein er wusste, dass er sich nicht in Worten ausdrücken kann!

 

 

 

Hier wäre die Geschichte eigentlich zu Ende.

Eigentlich.

Aber die Geschichte geht weiter.

 

 

S. hatte eine Begegnung. Er begegnete einem Menschen, der die Sehkraft verloren hatte. Dieser Mensch bat S., er möge ihm, dem blinden Menschen, doch bitte eine Bildbeschreibung der Bilder machen.

S. war…

verärgert, verunsichert, verblüfft. 

S. wusste doch genau, dass er sich nicht in Worten ausdrücken kann. Und nun sollte er die wunderbare Ausdrucksform der Malerei verraten, indem er die Bilder, seine Bilder, beschreiben soll…Nein, das konnte man nicht von ihm erwarten, nicht verlangen. 

Dazu hatte er keine Lust, keine Zeit, keine Veranlassung, nein! Nein, das ging einfach nicht. 

Wie denn, was denn, warum denn, 

NEIN, er KONNTE das doch nicht.

Seine Seele malte Bilder, seine Worte waren seit damals  VERSTUMMT!

 

…aber

da war dieser blinde Mensch.

der glaubte an ihn.

Ihm würde er seine Bilder beschreiben, in klaren Worten.

Und der Blinde würde seine Bilder sehen können –

in dessen eigenen schillernden Farben.

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